DIENER ZWEIER HERREN

In einer Fassung von Markus Maria Enggist frei nach Carlo Goldoni

DIENER ZWEIER HERREN

Ein Diener. Zwei Herren. Und ein Hunger, der nicht verhandelt.

Truffaldina sucht Arbeit – dringend. Und wenn schon Arbeit, dann bitte gleich doppelt. Also dient sie zwei Herren gleichzeitig. Ohne dass die beiden voneinander wissen. Eine glänzende Idee … solange niemand Fragen stellt. Nur stellt in Venedig ständig jemand Fragen. Türen öffnen sich zur falschen Zeit, Briefe landen in den falschen Händen, und plötzlich entsteht ein Wirbel aus Verwechslungen, Stolz, Liebe und sehr viel Improvisation.
Mittendrin eine Figur, die alles zusammenhalten will – mit Witz, Tempo und erstaunlicher Beweglichkeit. Mal voraus, mal hinterher, mal genau dazwischen. Wer hier wem dient, ist bald nicht mehr so eindeutig.

Das Theater Matte bringt Carlo Goldonis berühmte Komödie in einer neuen Mundartfassung auf die Bühne: körperlich, präzise und voller Spiellust. Masken, Rhythmus und Wortwitz verbinden sich mit dem Schweizer Dialekt zu einem rasanten Spiel über Liebe, Hunger, Stolz und überlebenskünstlerischen Witz. Leichtfüssig erzählt – und mit einem feinen Vergnügen daran, die Ordnung in Bewegung zu bringen.

«Wenn ich nur einem diene, bin ich abhängig. Wenn ich zweien diene, bin ich beschäftigt.»

KOMÖDIE FREI NACH: Carlo Goldoni
REGIE UND FASSUNG: Markus Maria Enggist
SCHAUSPIEL: Miriam Jenni, Marianne TschirrenLaurence GrossenbacherSaskia Zahnd und Michael Schoch

BÜHNENBILD: Fredi Stettler | KOSTÜM: Katrin Schilt | LICHTDESIGN: Arno Alf Jost | TECHNIK: Arno Alf Jost, Félicien Cacciabue

 

LERNEN SIE DAS BETRIEBSTEAM KENNEN: KLICK

VORVERKAUF
Der öffentliche Vorverkauf beginnt im Juli 2026.
Bestellungen per Postversand sind erst ab 4. August 2026 möglich. Bis dahin stehen Ihnen sämtliche digitalen Bezugs- und Versandoptionen zur Verfügung.

PREMIERE
Freitag, 11. September 2026

WEITERE SPIELDATEN
Sa. 12.09. / So. 13.09.2026 / Di. 15.09. / Mi. 16.09. / Do. 17.09.* / Fr. 18.09.2026 / So. 27.09.2026** / Di. 29.09. / Mi. 30.09. / Do. 01.10. / Fr. 02.10. / Sa. 03.10. / So. 04.10.2026 / Di. 06.10. / Mi. 07.10. / Do. 08.10. / Fr. 09.10. / Sa. 10.10. / So. 11.10.2026

DAUER
Voraussichtlich 1 Stunde 50 Minuten (inkl. Pause)

VORSTELLUNGSBEGINN
Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Sonntags um 17 Uhr.

TÜRÖFFNUNG
Die Abendkasse und die Theaterbar öffnen jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Der Theatersaal wird ca. 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn geöffnet.
Auch nach der Vorstellung freuen wir uns auf Ihren Besuch an unserer hauseigenen Bar.

EINFÜHRUNG / PUBLIKUMSGESPRÄCH
* = Einführung
Vor der Vorstellung laden wir Sie zu einer kurzen Einführung in den Theaterabend ein. Die Einführung findet 50 Minuten vor Vorstellungsbeginn in der Theaterbar statt.
** = Einführung und Publikumsgespräch
Zusätzlich zur Einführung findet nach der Vorstellung unser beliebtes Publikumsgespräch mit dem Ensemble und der Regie statt. Das Gespräch findet ca. 15 Minuten nach Vorstellungsende in der Theaterbar statt (Dauer: ca. 30 Minuten). Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

EINE KLEINE VERSCHIEBUNG

​Warum heute noch Goldoni? Eine berechtigte Frage. Schliesslich entstand Der Diener zweier Herren vor bald dreihundert Jahren. Und doch hatte ich beim Wiederlesen nie das Gefühl, ein altes Stück in den Händen zu halten. Im Gegenteil. Ich hatte den Eindruck, dass Goldoni etwas über uns erzählt – gerade weil er nicht versucht, unsere Zeit abzubilden.

Mich interessieren im Theater nicht die grossen Umstürze. Mich interessieren die kleinen Verschiebungen. Denn manchmal genügt eine kleine Verschiebung, und wir beginnen, Vertrautes neu zu sehen.

Mich fasziniert an der Commedia dell’arte ihre Klarheit. Da sind Typen, Masken und feste Regeln. Alles scheint geordnet. Doch je länger das Spiel dauert, desto mehr geraten diese Sicherheiten ins Wanken. Hinter jeder Rolle erscheint plötzlich ein Mensch. Vielleicht ist das die eigentliche Kraft dieser Theaterform: Die Maske verbirgt den Menschen nicht – manchmal macht sie ihn erst sichtbar.

Aus diesem Gedanken heraus entstand meine Fassung. Wir bleiben bewusst in Goldonis Welt. Venedig bleibt Venedig. Die Commedia dell’arte bleibt Commedia dell’arte. Und doch erlauben wir uns kleine Verschiebungen. So wird aus Truffaldino ganz selbstverständlich Truffaldina, aus Pantalone Signora Pantalone und aus dem Wirt Tebaldo Tebalda. Nicht als Kommentar oder Provokation, sondern als Einladung, genauer hinzusehen. Denn sobald etwas leicht aus der gewohnten Ordnung gerät, beginnen wir neu wahrzunehmen.

Auch unser Umgang mit Masken folgt dieser Idee. Sie treten in Erscheinung und verschwinden wieder. Mich interessiert dieser Wechsel zwischen Typus und Persönlichkeit, zwischen Distanz und Nähe. Gerade dort öffnet sich ein Raum, in dem das Spiel den Menschen sichtbar macht.

Und dann ist da Truffaldina. Oft wird sie als einfältige Schelmin gesehen. Für mich ist sie vor allem ein Mensch mit Hunger. Nicht nur nach Essen, sondern nach Leben, Anerkennung und einem Platz in der Welt. Vielleicht versucht sie gerade deshalb, zwei Herren gleichzeitig zu dienen. Nicht aus Übermut, sondern weil sie glaubt, nur so bestehen zu können. Gerade darin erscheint sie mir erstaunlich nah.

Ich wünsche mir, dass unser Diener zweier Herren vor allem eines bleibt: ein Abend voller Spielfreude. Ein Abend, an dem gelacht werden darf. Und vielleicht denken wir auf dem Heimweg auch einen Moment über die Masken nach, die wir selbst manchmal tragen.

MARKUS MARIA ENGGIST – FASSUNG & REGIE

DER AUTOR –  CARLO GOLDONI

Carlo Goldoni wurde 1707 in Venedig geboren. Er studierte zunächst Rechtswissenschaften und arbeitete zeitweise als Anwalt, wandte sich jedoch früh dem Theater zu. Goldoni gilt als einer der bedeutendsten italienischen Dramatiker des 18. Jahrhunderts und als Reformator der Commedia dell’arte. Er ersetzte die traditionellen Improvisationen und Maskenfiguren zunehmend durch ausgearbeitete Dialoge, realistische Charaktere und gesellschaftsnahe Themen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben Der Diener zweier Herren, La locandiera und Die venezianischen Lustspiele. Insgesamt verfasste er über 150 Theaterstücke. 1762 zog Goldoni nach Paris, wo er weiterhin als Autor und Lehrer tätig war und seine Memoiren verfasste. Er starb dort 1793. Goldoni prägte das moderne bürgerliche Theater Italiens nachhaltig.

Zurück