DER GOTT DES GEMETZELS

DER GOTT DES GEMETZELS

WAS BLEIBT, WENN WIR DIE SITTEN ABLEGEN

Zwei frischgebackene Teenager prügeln sich im Park. Der eine schlägt dem anderen mit einem Stock die vorderen Schneidezähne aus.
Die Eltern der beiden treffen sich, um ganz zivilisiert über den Vorfall zu sprechen. Die einen geben sich schuldbewusst, die andern vergebungswillig. Man gibt sich kultiviert, förmlich, höflich, nett. Trinkt ein Aperitif und isst Kuchen. Diskutiert über Berufe, Erziehung, Moral. Doch unter der Decke des wohlgesitteten Spiessertums fängt es an zu brodeln. Alle versuchen ihre eigenen, ganz persönlichen Werte zu verteidigen, bis die bürgerliche Fassade endgültig zusammenbricht, die Situation eskaliert und jeglicher Verhaltenskodex gebrochen wird.
Gott des Gemetzels erzählt gekonnt, subtil und mit einer Wucht witziger Raffinesse, wie erwachsene Menschen zu Tieren werden. Willkommen bei den Neandertalern.

«Die Moral schreibt uns vor, unsere Triebe zu beherrschen, aber manchmal ist es besser, ihnen freien Lauf zu lassen.»

WEITERE INFORMATIONEN

Fotos: Rolf Veraguth

DATEN

PREMIERE: Freitag 22. Oktober 2021

WEITERE SPIELDATEN:
Sa. 23.10. / So. 24.10. / Mi. 27.10. / Do. 28.10. / Fr. 29.10. / Sa. 30.10. / So. 31.10.* / Mi. 03.11. / Do. 04.11. / Fr. 05.11. / Sa. 06.11. / So. 07.11. / Mi. 10.11. / Do. 11.11. / Fr. 12.11. / Sa. 13.11. / So. 14.11. / Mi. 17.11. / Do. 18.11. / Fr. 19.11. / Sa. 20.11.2021
* Mit anschliessendem Publikumsgespräch

VORSTELLUNGSBEGINN:
Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Sonntags um 17.00 Uhr.

DAUER: ca. 1 Std. 20 Minuten. Es wird ohne Pause gespielt.

Die Abendkasse und unsere Theaterbar öffnet jeweils eine Stunde vor Beginn.

INFOS ZUM BESUCH

Hinweise zu Ihrem Besuch im Theater Matte in Zusammenhang mit Covid-19 lesen Sie bitte hier. Bitte klicken.

WENN MAN SICH NACH DEM «ÜBERGEBEN» IMMER NOCH SIEZT

Unsere kontrollierten Manieren, unsere Beherrschung ist nicht zu brechen. Das geht so weit, dass wir uns sogar noch siezen, wenn wir voreinander erbrochen, uns angeschrien und uns gemeinsam aus Trotz betrunken haben. Alle reissen sich immer zusammen, sind gesellschaftsfähig, höflich und anständig. Verhaltenskodex, Anstand, Moral, zivile Umgangsformen, Benehmen … das alles wird grossgeschrieben und
beherrscht unseren Alltag.

Gemäss Sigmund Freud unterdrückt der Mensch in der Gesellschaft seine Triebe so stark, dass es ihn unglücklich und neurotisch macht. Auch Jean-Jacques Rousseau war da ähnlicher Meinung: Er fand, die Zivilisation hat den Menschen von seinem eigentlichen Wesen entfremdet und ihn dadurch missgünstig und selbstsüchtig werden lassen.

Der Gott des Gemetzels nimmt sich genau dieser Thematik an. Wie wahrhaftig ist der Mensch in seinem moralisch zivilisierten Umgang mit den anderen? Und was, wenn diese Fassade bröckelt? Denn jede*r hat eine Grenze. Alle eine andere. Zu sehen, wie sich die Charaktere der vier Protagonist*innen immer weiter enthüllen und eine ganz andere Form ihres wahren Ichs, vielleicht die ganz private Form des Ichs, an die Oberfläche steigt, ist natürlich auch mit viel Humor verbunden. Yasmina Reza hat nicht explizit eine Komödie geschrieben, Der Gott des Gemetzels wird aber durch die Entwicklung der Figuren, durch die absurden Konflikte und grotesken Zustände zu einem witzigen Abend.

Geschickt schreibt Reza die vier Charaktere impulsiv und unvorhersehbar. Oft erlebt man überraschende Wendungen und weiss nicht, wie es dazu gekommen ist. Intuitiv wie das menschliche
Gehirn springen die vier von einem Thema zum nächsten und wieder zurück, zerstören sich so gegenseitig ihre Weltbilder und Ansichten und stellen alle Beziehungen in Frage. Sie tun alle Dinge, die nicht angemessen sind, die nichts mit Anstand oder den üblichen Verhaltensregeln zu tun haben.

So würde sich jede*r vielleicht gerne mal in der Öffentlichkeit auskotzen, oder? Einfach mal im Pyjama zur Arbeit gehen, einfach mal der Nachbarin sagen, wie nervig ihre Stimme ist oder dass das Baby des Nachbarn gar nicht so niedlich ist, wie er immer hören möchte …

CORINNE THALMANN – STÜCKWAHL

Die Autorin – YASMINA REZA

Yasmina Reza wurde 1959 in Paris als Tochter einer Geigerin und eines Ingenieurs geboren. Sie studierte Schauspiel an der Universität Paris-Nanterre, später an der Ecole Internationale de Théâtre Jacques Lecoq und arbeitete danach einige Zeit als Schauspielerin. 1987 begann sie dann selbst zu schreiben. Ihre ersten beiden Stücke wurden schon mit dem Theaterpreis Molière ausgezeichnet. Bereits ihr drittes Stück Kunst führte zum Welterfolg. Sie bekam dafür den Tony Award für das beste Theaterstück und den Laurence Olivier Award. Es folgten viele weitere Auszeichnungen, unter anderen auch der französische Filmpreis César für ihr Drehbuch zu Roman Polanskis Verfilmung von Der Gott des Gemetzels. Reza schreibt nicht nur Theaterstücke und Drehbücher, in den späten 1990er-Jahren widmete sie sich auch der Prosa.

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